Neuroevolution - Autos lernen fahren

Lernen ohne Lehrer — das funktioniert, wenn man den schlechten Versuchen keine Träne nachweint.

Was ist Neuroevolution?

AnalogieDefinition

Stell dir eine Fahrschule vor, in der hunderte Fahrschüler gleichzeitig lernen - aber ohne Fahrlehrer. Stattdessen lernen sie durch Ausprobieren und Evolution:

Jeder Fahrschüler hat ein eigenes "Gehirn" (neuronales Netz), das die Sensordaten des Autos interpretiert und Lenkbefehle gibt. Am Anfang fahren alle völlig planlos.

Die besten Fahrer (die am weitesten kommen) werden ausgewählt und dürfen ihre "Gehirne" an die nächste Generation weitergeben

Durch Kreuzung werden die Stärken verschiedener Fahrer kombiniert - vielleicht kann einer gut Kurven fahren und ein anderer gut geradeaus

Kleine zufällige Änderungen (Mutationen) sorgen dafür, dass immer wieder neue Fahrtechniken entstehen, die vielleicht noch besser funktionieren

Überblick

Diese Demo simuliert selbstfahrende Autos, die durch Neuroevolution lernen, eine Rennstrecke zu bewältigen. Jedes Auto wird von einem neuronalen Netz gesteuert, das Sensordaten verarbeitet und Lenk- sowie Gasbefehle ausgibt. Über mehrere Generationen hinweg verbessern sich die Autos durch Selektion, Kreuzung und Mutation.

Wichtige Konzepte
  • Sensoren:Jedes Auto hat fünf Abstandssensoren, die den Abstand zu den Streckenbegrenzungen messen. Diese Sensoren liefern die Eingabedaten für das neuronale Netz und ermöglichen dem Auto, seine Umgebung wahrzunehmen.
  • Neuronales Netz:Jedes Auto besitzt ein eigenes neuronales Netz mit Eingabe-, versteckter und Ausgabeschicht. Die Eingaben sind Sensordaten und die aktuelle Geschwindigkeit, die Ausgaben sind Lenk- und Gasbefehle.
  • Fitness:Die Fitness eines Autos wird anhand der erreichten Checkpoints und der benötigten Zeit berechnet. Autos, die weiter kommen und dabei schneller sind, erhalten eine höhere Fitness.
  • Selektion:Die Autos mit der höchsten Fitness werden bevorzugt zur Erzeugung der nächsten Generation ausgewählt. Bessere Fahrer haben eine höhere Chance, ihre Netzwerk-Gewichte weiterzugeben.
  • Mutation:Kleine zufällige Änderungen an den Gewichten des neuronalen Netzes. Mutationen sorgen für Vielfalt in der Population und können zu neuen, möglicherweise besseren Fahrstrategien führen.
  • Kreuzung:Kombination der Netzwerk-Gewichte zweier erfolgreicher Eltern-Autos zu einem neuen Nachkommen. So werden die Stärken verschiedener Fahrstrategien vereint.
  • Elitismus:Die besten Individuen einer Generation werden unverändert in die nächste Generation übernommen. Dies stellt sicher, dass einmal gefundene gute Lösungen nicht durch Mutation verloren gehen.

Neuroevolution in Aktion

Generation 0. Beste Fitness 0. Diversität 0 Prozent.

Generation
0
Beste Fitness
0
Aktive Autos
0 / 30
Laufzeit
20.0s

Was auf der Rennstrecke passiert

Diese Demo bringt Autos das Fahren bei — nicht durch Programmieren, sondern durch Ausprobieren und Vererben. Hier steht, was du auf dem Bild siehst.

Was du siehst
Eine Rennstrecke von oben, auf der viele Autos gleichzeitig fahren. Jedes Auto tastet mit dünnen Fühlern nach vorn die Wände ab. Unten rechts zeigt ein kleines Diagramm das neuronale Netz des gerade beobachteten Autos.
Was passiert
Am Anfang fahren fast alle Autos sofort gegen die Wand. Die wenigen, die am weitesten kommen, geben ihr Gehirn an die nächste Generation weiter — leicht verändert. So fahren über viele Generationen immer mehr Autos sauber durch die Kurven. Im Champions-Rennen treten die besten Autos aller Generationen gegeneinander an.
Was du tun kannst
Starte und pausiere die Evolution, ändere das Tempo, folge einem einzelnen Auto oder klicke es an. Im Handmodus fährst du selbst eine Runde und vergleichst deine Zeit mit der KI.
Worauf du achtest
Niemand hat den Autos Regeln fürs Fahren einprogrammiert. Das Fahrverhalten entsteht allein aus Zufall, Auslese und Vererbung — Generation für Generation.
Klick auf ein Auto zum Verfolgen
Steuerung
Einstellungen
10x
Erweitert
15%
0.30
🏆 Hall of Champions

Noch keine Champions. Lass die Evolution laufen — alle 5 Generationen wird das beste Gehirn gespeichert.

So funktioniert Neuroevolution

  1. Population erzeugen

    Erstelle eine Population von Autos, jedes mit einem eigenen neuronalen Netz mit zufälligen Gewichten. Am Anfang fahren alle Autos planlos, da ihre Netze noch nicht trainiert sind.

  2. Fitness messen

    Lasse alle Autos auf der Strecke fahren und bewerte ihre Leistung. Die Fitness basiert auf der Anzahl erreichter Checkpoints und der benötigten Zeit. Autos die weiter kommen und schneller sind, erhalten eine höhere Fitness.

  3. Selektion

    Wähle die besten Autos als Eltern für die nächste Generation aus. Autos mit höherer Fitness haben eine größere Chance ausgewählt zu werden, ähnlich der natürlichen Selektion.

  4. Kreuzung

    Kombiniere die Netzwerk-Gewichte zweier Eltern zu einem neuen Nachkommen. Dabei werden Teile der Gewichtsmatrizen beider Eltern zusammengeführt, um die Stärken beider Fahrstrategien zu vereinen.

  5. Mutation

    Verändere zufällig einige Gewichte der neuronalen Netze leicht. Dies fügt Variation hinzu und ermöglicht das Entdecken neuer Strategien, die durch Kreuzung allein nicht entstehen würden.

  6. Wiederholen

    Ersetze die alte Population durch die neue Generation und starte den Prozess erneut. Mit jeder Generation werden die Autos besser, da erfolgreiche Strategien erhalten und weiterentwickelt werden.

Das Sensor-System

Die Sensoren eines jeden Autos funktionieren wie Abstandsmesser: Sie senden unsichtbare Strahlen in fünf Richtungen (vorne, links 45°, rechts 45°, links 90°, rechts 90°) und messen den Abstand zur nächsten Streckenbegrenzung. Je kürzer der gemessene Abstand, desto näher ist das Auto am Rand. Diese Werte werden als Eingaben in das neuronale Netz gespeist, das daraus Lenkbefehle berechnet.

Das neuronale Netz

Das neuronale Netz jedes Autos besteht aus drei Schichten: Die Eingabeschicht empfängt die fünf Sensorwerte plus die aktuelle Geschwindigkeit und den Lenkwinkel. Die versteckte Schicht verarbeitet diese Informationen und erkennt Muster. Die Ausgabeschicht gibt zwei Werte aus - den Lenkeinschlag und den Gasbefehl. Die Gewichte der Verbindungen bestimmen, wie das Auto auf seine Umgebung reagiert.

Die Fitness-Funktion

Die Fitness misst, wie gut ein Auto fährt. Sie setzt sich zusammen aus der Anzahl der erreichten Checkpoints (unsichtbare Linien quer über die Strecke) und einem Zeitbonus: Schnellere Autos bekommen mehr Punkte. Ein Auto das weit kommt aber langsam fährt, hat eine niedrigere Fitness als eines das dieselbe Strecke schneller schafft. Gecrachte Autos erhalten nur die Fitness bis zum Crash-Punkt.

Der Selektionsdruck

Der Selektionsdruck bestimmt, wie stark die besten Individuen bevorzugt werden. Bei hohem Selektionsdruck dominieren wenige Spitzenfahrer die nächste Generation, was zu schneller Konvergenz aber geringer Vielfalt führt. Bei niedrigem Selektionsdruck haben auch mittelmäßige Fahrer eine Chance, was die genetische Vielfalt erhält und das Risiko verringert, in lokalen Optima stecken zu bleiben. Die richtige Balance ist entscheidend für erfolgreiche Evolution.

Quiz: Neuroevolution verstehen

Frage 1 / 5
Noch offen

Was messen die Sensoren der Autos in dieser Demo?

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TheorieGeschichtePseudocodeSchritt für SchrittFlussdiagramm

Lernen ohne Lehrer, ohne Gradient

Neuroevolution trainiert neuronale Netze mit den Prinzipien der biologischen Evolution: Fortpflanzung, Auslese und Mutation. Statt aus einem Fehler einen Gradienten zu berechnen und die Gewichte per Backpropagation anzupassen, wird eine ganze Population von Netzen ausprobiert. Die erfolgreichsten dürfen sich fortpflanzen, die schwachen verschwinden. Über viele Generationen entstehen so immer bessere Netze, ohne dass je ein Gradient berechnet wird.

Das Netz im Auto

In dieser Demo steuert jedes Netz ein Auto. Die Eingaben sind fünf Abstandssensoren (Strahlen, die messen, wie weit die nächste Wand entfernt ist) plus Tempo und Lenkwinkel. Eine verdeckte Schicht mit ReLU-Aktivierung verarbeitet sie, und zwei Ausgaben steuern das Auto: Lenkung (über tanh, von links bis rechts) und Gas (über sigmoid, von null bis voll). Die Netzstruktur ist für alle Autos gleich und fest.

Fitness statt Fehlerfunktion

Weil es keine vorgegebenen richtigen Antworten gibt, braucht Neuroevolution keine differenzierbare Verlustfunktion, sondern nur eine Fitness — eine einzige Zahl, die den Erfolg misst. Hier zählt, wie weit ein Auto kommt: jeder durchfahrene Checkpoint und jede vollendete Runde erhöhen die Fitness. Das genügt der Evolution als Kompass; sie muss nie wissen, warum ein Auto besser fährt, nur dass es besser fährt.

Der evolutionäre Kreislauf

  • Selektion (Turnier): Für jedes Elternteil werden drei zufällige Netze gezogen, das fitteste gewinnt. Gute Netze bekommen mehr Nachkommen, schwache behalten eine Restchance.
  • Elitismus: Die besten Netze (Standard: 2) werden unverändert übernommen, damit eine gefundene gute Fahrweise nie verloren geht.
  • Crossover: Das Kind erbt jedes einzelne Gewicht per Münzwurf von einem der beiden Eltern.
  • Mutation: Jedes Gewicht wird mit einer kleinen Wahrscheinlichkeit zufällig leicht verschoben — die Quelle echter Neuerungen.

Gewichte, nicht Struktur

Wichtig für die Einordnung: Diese Demo entwickelt nur die Gewichte eines Netzes mit fester Struktur weiter (klassische Neuroevolution). Fortgeschrittenere Verfahren wie NEAT lassen zusätzlich die Topologie wachsen — sie fügen im Lauf der Evolution neue Neuronen und Verbindungen hinzu. Beides ist Neuroevolution; der Unterschied liegt darin, ob nur die Gewichte oder auch der Bauplan des Netzes evolvieren.

Stärken und Grenzen

  • Kein Gradient nötig: funktioniert auch, wenn die Belohnung nicht differenzierbar oder erst am Ende bekannt ist.
  • Gut parallelisierbar: alle Netze einer Generation lassen sich unabhängig bewerten.
  • Metaheuristik: es gibt keine Garantie, das beste mögliche Netz zu finden — meist entsteht eine gute, nicht die optimale Lösung.
  • Verrauscht und langsam: die Fitness ist nur eine Stichprobe, und ohne Diversität kann die Population früh in einem lokalen Optimum stecken bleiben.

Spiele mit der Demo! Dreh die Mutationsrate hoch und sieh, wie unruhig die Population wird; setz die Elite-Zahl auf 0 und beobachte, wie gute Fahrweisen wieder verloren gehen können. Achte auf die Diversitäts-Anzeige — fällt sie gegen null, ähneln sich alle Netze und die Evolution kommt kaum noch voran.