Attention — wohin schauen Sprachmodelle?

Wenn ChatGPT, Claude oder DeepL einen Satz verstehen sollen, müssen sie für jedes Wort entscheiden, welche anderen gerade wichtig sind. Genau dieses gezielte Hinhören nennt man Attention — und du kannst hier zusehen, wie es funktioniert. Klick dich durch Köpfe, Schichten und Sätze.

Was ist Attention?

AnalogieDefinition

Stell dir eine laute Cocktailparty vor: Dutzende Stimmen reden gleichzeitig — aber sobald jemand auf der anderen Seite des Raums deinen Namen sagt, dreht sich dein Kopf automatisch dorthin. Dein Gehirn hat aus dem Lärm eine Information ausgewählt und allem anderen weniger Gewicht gegeben.

Genau dieses Auswählen — Wichtiges hervorheben, Unwichtiges leise stellen — ist Attention.

Beim Lesen passiert dasselbe in Mini-Form: Sobald du das Pronomen „sie" siehst, springt dein Blick zurück zu der Person, die vorher genannt wurde. Du gewichtest blitzschnell, welche der vorherigen Wörter relevant sind, und blendest den Rest aus.

Ein Transformer-Sprachmodell macht das für jedes einzelne Wort gleichzeitig — pro Schicht und pro Aufmerksamkeits-Kopf neu.

Beispiel: „Leonie gab dem Hund einen Knochen, weil er hungrig war."

Wer ist „er"? Du weißt sofort: der Hund — nicht Leonie, nicht der Knochen. Genau diese Entscheidung muss auch das Sprachmodell treffen, sonst wird die Übersetzung falsch oder die Antwort unsinnig. In einem trainierten Modell lernt ein einziger Attention-Kopf genau dieses Muster: Pronomen → richtiger Bezug.

Ohne Attention gäbe es heute kein ChatGPT, keinen Claude, keinen DeepL-Translator — sie alle stehen auf dieser einen Idee, die 2017 in dem Paper „Attention Is All You Need" zum ersten Mal in dieser Form formuliert wurde.

Schritt für Schritt

Hier ist das Bild dahinter. Stell dir vor, jedes Wort im Satz geht gleichzeitig in eine Bibliothek.

Es bringt einen Suchzettel mit (das ist die Query), liest reihum die Karteikarten aller anderen Bücher (die Keys), gewichtet, welche Karten am besten zur Suche passen, und nimmt sich von den passendsten den Inhalt (die Values) gewichtet mit nach Hause.

Diese Mischung ist die neue, kontextangereicherte Bedeutung des Worts. Technisch läuft das pro Schicht in fünf Schritten ab:

  • Jedes Token wird in drei Vektoren projiziert: Query (Q), Key (K), Value (V).
  • Aus Q·Kᵀ entsteht eine n×n-Score-Matrix — wie ähnlich ist jede Query zu jedem Key?
  • Softmax pro Zeile macht daraus echte Aufmerksamkeits-Gewichte (jede Zeile summiert zu 1).
  • Der Output eines Tokens ist die gewichtete Summe aller Value-Vektoren — die Information fließt von dort, wo das Token am stärksten hinschaut.
  • Multi-Head-Attention: das Ganze parallel mit unterschiedlichen Projektionen — jeder Kopf lernt andere Beziehungstypen (syntaktisch, semantisch, positional).

Schicht 1 hört oft sehr lokal hin — „was steht direkt neben mir?" Schicht 2 baut die globaleren Beziehungen auf: Pronomen-Auflösung, Verb-Objekt-Bindung, Bedeutungs-Disambiguierung.

Echte Modelle wie GPT-4 oder Claude haben nicht 2, sondern 80 bis 100 Schichten mit jeweils 32 bis 128 Köpfen übereinander gestapelt.

Diese Demo ist eine bewusste Mini-Version mit nur 2 Schichten und 4 Köpfen — damit du das Prinzip im Kopf behältst, statt in einem Zahlenfeuerwerk zu ertrinken.

Query, Key, Value — die drei Rollen jedes Tokens

Bleibe kurz beim Bibliotheks-Bild von eben — es trägt erstaunlich weit.

Jedes Wort im Satz ist gleichzeitig Sucher, Karteikarte und Buchinhalt. Aus einem einzigen Wort-Embedding (einer Liste von Zahlen, die das Wort beschreibt) berechnet das Modell drei abgeleitete Vektoren — Q, K und V — durch drei gelernte Projektionsmatrizen.

Du kannst dir das wie drei verschiedene Brillen vorstellen, die das Modell auf jedes Wort setzt. Jede Brille hebt einen anderen Aspekt hervor:

  • Query (Q) — der Suchzettel — „Was suche ich gerade?" Q ist der Suchzettel, den ein Wort an alle anderen herausreicht.

    Wenn das Pronomen „er" drankommt, fragt seine Query sinngemäß: „Welches Wort weiter vorn ist männlich, Singular, ein Lebewesen, das hungrig sein könnte?"

    Die Frage steht natürlich nicht in Worten auf dem Zettel — sie steckt als Richtung in einem Zahlenvektor.
  • Key (K) — die Karteikarte — „Was biete ich an?" K ist die Karteikarte, die jedes Wort gut sichtbar in der Bibliothek hochhält.

    Bei „Hund" steht sinngemäß drauf: „Ich bin ein Nomen, männlich, Singular, ein Lebewesen."

    Wenn der Suchzettel von „er" auf diese Karte trifft, passt es — das Skalarprodukt Q·K wird groß. Je besser Frage und Karte zusammenpassen, desto mehr Aufmerksamkeit fließt zu diesem Wort.
  • Value (V) — der Buchinhalt — „Was liefere ich, wenn ich ausgewählt werde?" V ist der Buchinhalt, den das Wort herausgibt, sobald es Aufmerksamkeit bekommt.

    Sobald die Gewichte feststehen (jede Zeile summiert zu 100 %), werden alle Value-Vektoren gemäß ihrer Gewichte aufaddiert. Das Ergebnis ist die neue, kontextangereicherte Bedeutung des Query-Worts.

    Merksatz: K entscheidet, wer gehört wird; V trägt, was gehört wird.

Warum „Self"-Attention? Weil jedes Wort im selben Satz gleichzeitig als Query und Key und Value für jedes andere Wort (und für sich selbst) auftritt. Der Satz schaut sich quasi selbst an — jedes Wort fragt jedes andere und vergleicht.

Im Bibliotheks-Bild: Jeder Leser ist gleichzeitig ein Buch mit eigener Karteikarte. Das unterscheidet Self-Attention von Cross-Attention, wo Q aus einer Sequenz kommt und K/V aus einer anderen (klassisch: Encoder→Decoder bei maschineller Übersetzung).

Warum ÷ √d_k? Ein Detail, das harmlos aussieht — und das Training rettet.

Bei hoher Vektor-Dimension (d_k = 64 oder 128 in echten Modellen) werden die Skalarprodukte Q·K von Natur aus groß. Softmax mit großen Eingangswerten wird extrem spitz: fast 100 % auf ein einziges Wort, alle anderen fast null, und der Gradient stirbt.

Die Skalierung durch √d_k hält die Eingangs-Varianz konstant, egal wie groß die Vektoren sind. Eine kleine Zahl mit großer Wirkung — genau deshalb heißt das Verfahren auch Scaled Dot-Product Attention.

Die Formel im Detail

Jetzt kommt die Mathe — aber keine Sorge. Du musst keine Linear Algebra können, um zu folgen.

Die Formel sieht erst kompakt aus, weil sie das, was du gerade kennengelernt hast — Suchzettel, Karteikarte, Buchinhalt — in mathematischer Kurzschrift schreibt. Lies sie Zeile für Zeile von oben nach unten.

Jeder Schritt bekommt einen Klartext-Satz daneben, der erklärt, was passiert. Wenn du nach den sechs Schritten den Schluss-Ausdruck siehst, hast du eigentlich nur ein gewichtetes Mittel mit Ähnlichkeits-Gewichten gelesen — viel mehr ist es nicht.

Q = X · W_Q
Projiziere das Token zu einem „Frage-Vektor" — das, wonach wir suchen.
K = X · W_K
Projiziere das Token zu einem „Schlüssel-Vektor" — das, was es anbietet.
V = X · W_V
Projiziere das Token zu einem „Wert-Vektor" — die Information, die geliefert würde.
S = (Q · Kᵀ) / √d_k
Skalarprodukt aller Queries × Keys, geteilt durch √d_k zur Stabilisierung.
A = softmax(S, axis = -1)
Softmax pro Zeile macht die Scores zu Wahrscheinlichkeiten (Zeile summiert zu 1).
output = A · V
Die Aufmerksamkeits-Gewichte mischen die Value-Vektoren — das ist die neue Repräsentation.
Zusammengesetzt:
Attention(Q, K, V) = softmax(QKᵀ / √d_k) · V

Eine Beobachtung zum Mitnehmen: Diese sechs Zeilen sind im Prinzip die gesamte Mechanik. Alles, was ein moderner Transformer macht, ist im Kern dieselbe Rechnung — nur mit gelernten Projektionsmatrizen, hunderten von Dimensionen, dutzenden Köpfen und dutzenden Schichten übereinander.

Q·K-Werkstatt — wie aus Vektoren Aufmerksamkeit entsteht

Genug Theorie — hier siehst du die Rechnung einmal handfest mit Mini-Vektoren in nur 4 Dimensionen.

Wir benennen die Dimensionen bewusst: ref = Bezug, act = Handlung, mod = Modifikator, gen = generischer Inhalt. Das hilft dir, eine Intuition zu entwickeln, was eine Vektor-Dimension bedeuten könnte.

Klick ein Pronomen, Verb oder einen Artikel in der Heatmap weiter unten — die Werkstatt zeigt dann Schritt für Schritt: Frage-Vektor → Skalarprodukt mit den Kandidaten → Softmax.

Reale Modelle nutzen 64 oder 128 Dimensionen, die nicht so menschen-lesbar benannt sind. Das Prinzip ist exakt dasselbe — nur reicher und feiner.

Wichtig: In echten Transformern werden Q- und K-Vektoren aus Trainingsdaten gelernt — Milliarden Sätze formen langsam, in welche Richtung jeder Vektor zeigt. Hier sind sie für die Demonstration pro Rolle (Pronomen, Bezugswort, Verb, …) didaktisch fest verdrahtet, damit das Mechanismus-Prinzip sichtbar wird. Sieh es wie ein Anatomie-Modell aus Kunststoff: nicht echt, aber ehrlich gebaut.
1Q-Vektor des ausgewählten Tokens (was es sucht)
Q8„er"Rolle: Pronomen (sucht Bezug)
ref 0.90
act 0.00
mod 0.00
gen 0.10
2Skalarprodukt Q·K mit Kandidaten-Keys (wie gut passen sie?)
K4„Hund"Rolle: Bezugswort
ref 0.90
act 0.00
mod 0.00
gen 0.10
Q · K = 0.90 · 0.90 + 0.00 · 0.00 + 0.00 · 0.00 + 0.10 · 0.10 = 0.820
÷ √4 = 0.410
K1„Leonie"Rolle: Hintergrund
ref 0.10
act 0.10
mod 0.10
gen 0.20
Q · K = 0.90 · 0.10 + 0.00 · 0.10 + 0.00 · 0.10 + 0.10 · 0.20 = 0.110
÷ √4 = 0.055
K2„gab"Rolle: Hintergrund
ref 0.10
act 0.10
mod 0.10
gen 0.20
Q · K = 0.90 · 0.10 + 0.00 · 0.10 + 0.00 · 0.10 + 0.10 · 0.20 = 0.110
÷ √4 = 0.055
K8„er"Rolle: Selbst-Token
ref 0.20
act 0.20
mod 0.20
gen 0.30
Q · K = 0.90 · 0.20 + 0.00 · 0.20 + 0.00 · 0.20 + 0.10 · 0.30 = 0.210
÷ √4 = 0.105
3Softmax → Aufmerksamkeits-Verteilung (jede Zeile summiert zu 100 %)
  • Hund32%
  • Leonie22%
  • gab22%
  • er23%
Aha-Moment: Tokens mit ähnlicher Richtung im Vektor-Raum ergeben hohe Skalarprodukte — Tokens, die nichts miteinander zu tun haben, ergeben niedrige.

Das gesamte Attention-Spiel ist im Kern ein Ähnlichkeits-Spiel im Zahlenraum. Im echten Modell sind die Vektor-Richtungen aus Daten gelernt und kodieren feinere Aspekte als unsere vier Demo-Dimensionen — aber wenn du verstanden hast, was hier mit 4 Zahlen passiert, hast du das Wesentliche verstanden, was in einem 128-dimensionalen GPT-Vektor passiert.

Wichtig zu wissenBevor du auf die Heatmap losgehst, ein wichtiger Realitäts-Check: Die Muster, die du gleich siehst, sind eine bewusste didaktische Vereinfachung. Wir setzen die Aufmerksamkeits-Gewichte per Hand-Regeln — damit du siehst, was Attention tut, ohne stundenlang ein Modell trainieren zu müssen.

Echte Transformer wie GPT-4, Claude oder BERT lernen sehr ähnliche Muster — aber aus Milliarden Sätzen Trainingsdaten, ohne dass irgendjemand „er → Hund" hineinprogrammiert. Genau das ist der Wow-Effekt: die Muster emergieren von selbst aus den Daten.

Diese Demo zeigt dir also was dabei rauskommt — damit du es in einer echten Heatmap später wiedererkennen kannst — nicht wie das Training abläuft.

Interaktive Heatmap

Tipp:So liest du die Heatmap: Jede Zeile gehört zu einem Wort, das schaut (Query). Jede Spalte gehört zu einem Wort, auf das geschaut wird (Key). Eine helle Zelle bedeutet starke Aufmerksamkeit. Klick ein farbig markiertes Token (z. B. ein Pronomen) — dann siehst du seine Zeile herausgehoben.
Erweiterte Ansicht — 4 weitere Muster + Layer/Kopf-Auswahl
HeatmapVerbindungen
Pronomen→Bezug

Der wichtigste Kopf für Sprachverständnis: Pronomen finden ihren Antecedent. "er" → "Hund", "sie" → "Aufgabe". Hier zeigt Attention echte Disambiguierung.

Schicht 2, Kopf 1: "er" schaut zurück auf "Hund" — saubere Pronomen-Auflösung.
Klick ein Token — sieh, worauf es schaut
Keys — auf diese Tokens wird geschaut
Queries — diese Tokens schauen
10×10 · Pronomen→Bezug. Der wichtigste Kopf für Sprachverständnis: Pronomen finden ihren Antecedent. "er" → "Hund", "sie" → "Aufgabe". Hier zeigt Attention echte Disambiguierung.Leonie → Leonie: 0.10Leonie → gab: 0.10Leonie → dem: 0.10Leonie → Hund: 0.10Leonie → einen: 0.10Leonie → Knochen: 0.10Leonie → weil: 0.10Leonie → er: 0.10Leonie → hungrig: 0.10Leonie → war: 0.10gab → Leonie: 0.10gab → gab: 0.10gab → dem: 0.10gab → Hund: 0.10gab → einen: 0.10gab → Knochen: 0.10gab → weil: 0.10gab → er: 0.10gab → hungrig: 0.10gab → war: 0.10dem → Leonie: 0.10dem → gab: 0.10dem → dem: 0.10dem → Hund: 0.10dem → einen: 0.10dem → Knochen: 0.10dem → weil: 0.10dem → er: 0.10dem → hungrig: 0.10dem → war: 0.10Hund → Leonie: 0.10Hund → gab: 0.10Hund → dem: 0.10Hund → Hund: 0.10Hund → einen: 0.10Hund → Knochen: 0.10Hund → weil: 0.10Hund → er: 0.10Hund → hungrig: 0.10Hund → war: 0.10einen → Leonie: 0.10einen → gab: 0.10einen → dem: 0.10einen → Hund: 0.10einen → einen: 0.10einen → Knochen: 0.10einen → weil: 0.10einen → er: 0.10einen → hungrig: 0.10einen → war: 0.10Knochen → Leonie: 0.10Knochen → gab: 0.10Knochen → dem: 0.10Knochen → Hund: 0.10Knochen → einen: 0.10Knochen → Knochen: 0.10Knochen → weil: 0.10Knochen → er: 0.10Knochen → hungrig: 0.10Knochen → war: 0.10weil → Leonie: 0.10weil → gab: 0.10weil → dem: 0.10weil → Hund: 0.10weil → einen: 0.10weil → Knochen: 0.10weil → weil: 0.10weil → er: 0.10weil → hungrig: 0.10weil → war: 0.10er → Leonie: 0.006 .01 er → gab: 0.006 .01 er → dem: 0.006 .01 er → Hund: 0.89 .89 er → einen: 0.006 .01 er → Knochen: 0.006 .01 er → weil: 0.006 .01 er → er: 0.06 .06 er → hungrig: 0.006 .01 er → war: 0.006 .01 hungrig → Leonie: 0.10hungrig → gab: 0.10hungrig → dem: 0.10hungrig → Hund: 0.10hungrig → einen: 0.10hungrig → Knochen: 0.10hungrig → weil: 0.10hungrig → er: 0.10hungrig → hungrig: 0.10hungrig → war: 0.10war → Leonie: 0.10war → gab: 0.10war → dem: 0.10war → Hund: 0.10war → einen: 0.10war → Knochen: 0.10war → weil: 0.10war → er: 0.10war → hungrig: 0.10war → war: 0.10 Leonie gab dem Hund einen Knochen weil er hungrig war Leonie gab dem Hund einen Knochen weil er hungrig war
wenig
viel
Max. Gewicht 0.89
Tokens10

Du siehst Schicht L2, Kopf H1 — Muster: Pronomen→Bezug.

Worauf schaut er ? (Top 6) Längster Balken = stärkste Aufmerksamkeit.
  • Hund0.89
  • er0.06
  • Leonie0.006
  • gab0.006
  • dem0.006
  • einen0.006

Kernaussagen — drei Dinge zum Mitnehmen

  1. Attention = gewichtete Summe: (das Cocktailparty-Prinzip): Jedes Wort aggregiert Information von allen anderen, gewichtet durch ein gelerntes Ähnlichkeitsmaß zwischen Query- und Key-Vektoren. Keine festen Regeln, keine einprogrammierte Grammatik — alles entsteht aus dem Vergleich von Zahlenvektoren.
  2. Multi-Head ist Arbeitsteilung: Verschiedene Köpfe lernen verschiedene Beziehungstypen, weil jeder Kopf seine eigenen Q/K/V-Projektionsmatrizen hat. Ein Kopf wird zum Pronomen-Spezialisten, ein anderer erkennt Verb-Objekt-Bindungen, ein dritter achtet auf lokale Nachbarschaften. Ein Modell wie GPT-4 hat 32 bis 128 solche Spezialisten pro Schicht — und 80 bis 100 Schichten übereinander.
  3. Tiefere Schichten = abstraktere Bezüge: In Schicht 1 dominieren positionale Muster (Vorgänger, lokales Fenster) — die Bibliothek macht erst Grobsortierung. Erst ab Schicht 2 (und in echten Modellen ab den mittleren Schichten) entstehen semantische Bezüge wie Pronomen-Auflösung und Bedeutungs-Disambiguierung.
  4. Warum das alles relevant ist: Dieser eine Mechanismus — Q·K-Ähnlichkeit, Softmax-Gewichtung, gewichtete Summe der Values — ist die Grundlage, auf der jedes große Sprachmodell der letzten Jahre steht. Wer Attention versteht, versteht den Motor von ChatGPT, Claude, Gemini und DeepL im Prinzip — und das ist mehr, als 95 % der Anwender:innen je sehen werden.

Hast du das verstanden?

  • Ich kann erklären, was Query, Key und Value sind und wie sie kombiniert werden.
  • Ich erkenne in einer Heatmap, dass ein Pronomen auf sein Bezugswort schaut.
  • Ich kann beschreiben, warum mehrere Attention-Heads parallel laufen — und was sie jeweils lernen können.
TheoriePseudocodeSchritt für SchrittFlussdiagramm

Was Attention berechnet

Self-Attention erlaubt jedem Token, sich gewichtete Information von allen anderen Tokens des Satzes zu holen. Das passiert nicht durch Position oder feste Regeln, sondern durch ein gelerntes Ähnlichkeits-Spiel zwischen drei Projektionen:

  • Query (Q): Was suche ich? — eine Projektion des Tokens als „Frage-Vektor"
  • Key (K): Was biete ich an? — eine Projektion als „Schlüsselwort-Vektor"
  • Value (V): Welche Info würde ich liefern? — die Inhalts-Projektion

Die Formel

Attention(Q, K, V) = softmax( Q · Kᵀ / √d_k ) · V

Schritt für Schritt: Q · Kᵀ erzeugt eine n×n-Score-Matrix — jeder Eintrag (i,j) ist das Skalarprodukt zwischen Query i und Key j, also „wie gut passen die zusammen?". Die Division durch √d_k stabilisiert die Softmax (Skalarprodukte wachsen mit der Dimension). Softmax pro Zeile macht aus rohen Scores echte Wahrscheinlichkeiten (jede Zeile summiert zu 1). Die Multiplikation mit V ergibt für jedes Token eine gewichtete Summe aller Value-Vektoren.

Multi-Head — viele Aufmerksamkeiten parallel

Ein einzelner Attention-Mechanismus kann nur eine Art von Beziehung gut lernen. Multi-Head Attention führt h Attention-Berechnungen parallel aus, jede mit eigenen Projektionsmatrizen W_Q, W_K, W_V. Die Outputs werden konkateniert und linear projiziert. So lernt ein Kopf vielleicht Pronomen-Auflösung, ein anderer Verb-Objekt-Bindungen, ein dritter positionale Muster.

Eigenschaften

  • Parallel: alle Tokens werden gleichzeitig verarbeitet (Vorteil gegenüber RNNs)
  • Distanz-unabhängig: ein Token kann mit dem ersten oder letzten Wort gleich stark interagieren
  • Quadratisch: Komplexität O(n²·d) in der Sequenzlänge — Engpass für lange Texte
  • Interpretierbar: Attention-Gewichte zeigen, „worauf das Modell schaut" (mit Vorsicht zu lesen)

Spiele in der Demo! Wähle einen Satz mit Pronomen und das Pattern „Pronomen→Bezug" (Schicht 2, Kopf 1). Du siehst den Aha-Moment direkt: das Pronomen schaut auf sein Bezugswort, nicht auf irgendein anderes Token.

Teste dein Wissen

Frage 1 / 4

Was berechnet Self-Attention pro Token?

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