Das Rohmaterial: Data Engineering für Machine Learning
Bevor die KI klug werden kann, müssen die Daten brav sein. Wie das gemacht wird.
Du hast gelernt, wie Modelle ihre Parameter über Gradient Descent und Regression optimieren. Aber was kommt IN das Modell hinein? Rohdaten aus der echten Welt sind chaotisch, unvollständig und auf völlig unterschiedlichen Skalen gemessen.
Dieser Artikel deckt die drei Säulen der Datenaufbereitung ab — die Arbeit, die passiert, bevor auch nur ein einziger Trainingsschritt stattfindet. Denn der teuerste GPU-Cluster der Welt kann kein Modell retten, das auf Datenschrott trainiert wird.
Feature Engineering: Die richtigen Eingaben wählen
Feature Engineering
Betrachten wir ein konkretes Beispiel: Immobilienpreisvorhersage. Die Rohdaten enthalten eine Adresse als Text — für ein Modell praktisch nutzlos. Feature Engineering verwandelt sie in aussagekräftige Zahlen:
Kategorische Daten wie Farben (rot, blau, grün) brauchen eine besondere Behandlung: One-Hot Encoding erstellt für jeden Wert eine eigene binäre Spalte (ist_rot, ist_blau, ist_grün). So kann der Algorithmus mit kategorialen Daten rechnen, ohne eine künstliche Reihenfolge aufzuzwingen.
Missverständnis: Mehr Features = besseres Modell
Feature-Qualität übertrifft Modellkomplexität. Ein simples lineares Modell mit hervorragenden Features schlägt regelmäßig ein komplexes neuronales Netz mit schlechten Features.
Interaktiv: Die Data-Engineering-Pipeline
Drücke Play und beobachte, wie Rohdaten Schritt für Schritt aufbereitet werden.
Die typische Datenaufbereitung in fünf Schritten: Von chaotischen Rohdaten über Bereinigung, Feature Engineering und Skalierung bis zum modellfertigen Datensatz.
Klicke auf "Abspielen", um die RAG-Pipeline Schritt für Schritt zu sehen.
Die Pipeline ist strikt sequenziell: Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf. Die Reihenfolge ist entscheidend — falsches Skalieren vor dem Split verursacht Data Leakage.
Fehlende Werte: Löcher in den Daten
Fehlende Werte (Missing Values)
Es gibt drei etablierte Strategien, jede mit klaren Vor- und Nachteilen:
Einfach aber verschwenderisch: Alle Zeilen mit fehlenden Werten entfernen. Bei 20% fehlenden Werten schrumpft der Datensatz von 1.000 auf 800 Einträge.
Datenerhaltend aber annahmenlastig: Leere Felder mit Median oder Mittelwert füllen. Behält alle 1.000 Einträge, nimmt aber "durchschnittliche Gesundheit" an.
Dritte Strategie: Indicator Variable
Konkretes Beispiel: Ein medizinischer Datensatz hat 20% fehlende Blutdruckwerte. Du vermutest, dass die Daten fehlen, weil adipöse Patienten die Messung verweigert haben. Deletion verliert 200 Datensätze. Median-Imputation mit 120 mmHg nimmt "Normalwert" an. Eine Indicator Variable deckt den eigentlichen Grund auf.
Normalisierung & Standardisierung: Alles auf eine Skala bringen
Feature Scaling
Rechenbeispiel: Drei Features skalieren
Deep Dive: Warum Skalierung Gradient Descent beschleunigt
Missverständnis: Normalisierung verändert die Daten
Deep Dive: Data Leakage — Die versteckte Falle
Interaktiv: Pipeline-Schritte sortieren
In welcher Reihenfolge müssen die Schritte der Datenaufbereitung ausgeführt werden? Sortiere die Pipeline — aber Vorsicht: die falsche Reihenfolge verursacht Data Leakage!
Sortiere die Pipeline-Schritte in die korrekte Reihenfolge. Tipp: Denke an Data Leakage — welcher Schritt muss unbedingt früh kommen?
Kernaussagen
Lernziele
- Erkläre an einem eigenen Beispiel, warum rohe Textdaten (z.B. eine Adresse) kein gutes Feature für ein ML-Modell sind.
- Du hast einen Datensatz mit 30% fehlenden Temperaturwerten eines Sensors. Welche der drei Strategien würdest du wählen und warum?
- Berechne die Min-Max-Normalisierung für den Wert x=75 bei einem Bereich von 0 bis 200.